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Cradle To Cradle – Der Ausweg Aus Dem Textilmüll?

Von 
Emilia Jirkowsky

Die Verlockung nach neuen Trends wird immer größer. Auch in der Textilindustrie ist das kein Wunder, denn Fast Fashion Riesen bringen nach Greenpeace bis zu 24 Kollektionen im Jahr heraus. Der Überkonsum steigt, ein Großteil der Textilien landet ganz einfach im Müll und wir wissen nicht mehr, wohin damit. Die Folgen sind Lebensraumzerstörung, Artensterben, Klimawandel und vieles mehr. Ist das Cradle to Cradle Prinzip unsere Rettung, um diesem Teufelskreis zu entfliehen?

Was bedeutet „Cradle to Cradle“ und was steckt dahinter?

Cradle to Cradle oder kurz C2C meint übersetzt so viel wie „von der Wiege zu der Wiege“. Zusammengefasst handelt es sich um ein zukunftsorientiertes Kreislauf-Wirtschaftssystem, das Ressourcen und deren Wiederverwertung klar in den Vordergrund stellt. Das Konzept wurde bereits gegen Ende der 1990er Jahre von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough entwickelt. 

Weitere Informationen gibt es auch bei der NGO C2C.

Ziel des Cradle to Cradle Ansatzes ist es grundsätzlich, eine abfallfreie Wirtschaft in Form von ausgefeilten Kreisläufen zu entwickeln. Das Prinzip orientiert sich an der Natur, wo Abfall nicht zurückbleibt, sondern zu Nährstoffen für etwas Neues wird. So sollen durch eine C2C-zertifizierte Herstellung keine schädlichen Materialien in unsere Umwelt gelangen können.

Für Unternehmen wird es nicht mehr nur Aufgabe sein, den Ressourcenbezug, die Herstellung und den Verkauf zu planen. Auch eine Strategie in Bezug auf die Entsorgung, das Recycling und die Umweltverschmutzung fällt in ihren Aufgabenbereich.

Unser momentanes Wirtschaftssystem – Produktion für die Mülltonne?

Aktuell führen wir eine sogenannte Cradle to Grave Wirtschaft, eine Abfallwirtschaft. Der Prozess spielt sich linear ab. Vom Kauf über den Gebrauch läuft alles auf das Wegwerfen der Produkte hinaus. Probleme, die sich daraus ergeben, sind zum einen die belastende Umweltverschmutzung und zum anderen die Endlichkeit noch vorhandener Rohstoffe. 

Um dem entgegenzuwirken, ist am 01. Juni 2012 das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft getreten. Dieses soll eine Kreislaufwirtschaft fördern, um so die natürlichen Ressourcen und den Schutz von Mensch und Umwelt sicherstellen zu können. 

Das C2C Designkonzept – inmitten von Biosphäre und Technosphäre

Damit unser Ressourcen- und Klimaproblem auf lange Sicht gelöst werden kann, spielt eine nachhaltigere Art des Wirtschaftens eine bedeutende Rolle. Dafür muss vor Beginn der Produktion klar sein, welche Materialien für welches Produkt geeignet sind und welchen Zweck dieses erfüllen soll.

Das Cradle to Cradle Designkonzept als Lösungsansatz unterscheidet in zwei unterschiedliche Kreisläufe, die miteinander hergehen und mithilfe erneuerbarer Energien funktionieren:

Biologischer Kreislauf

In die sogenannte Biosphäre gelangen Verbrauchsprodukte, wie beispielsweise Medikamente oder Kosmetika. Diese müssen zu 100% biologisch abbaubar sein, damit sie als Nährstoff für neue nachhaltige Produktionen dienen können. In der Textilbranche ist dabei das Recycling von Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen umsetzbar. Indem jegliche Verluste und Abriebe kompostiert werden, können gute Produktionsbedingungen durch z.B. eine bessere Bodenqualität geschaffen werden.

Technischer Kreislauf

Im Gegensatz dazu gelangen Gebrauchsprodukte, die im biologischen Kreislauf nicht wiederverwertet werden können, in die Technosphäre, wo diese endlos genutzt werden. Technische Nährstoffe müssen dafür in die Materialien trennbar sein, aus denen sie hergestellt wurden, um ihre Qualität beizubehalten. Auf die Modebranche übertragen, könnten technische Nährstoffe wie Knöpfe oder Reißverschlüsse in diesem Kreislauf direkt wiederverwertet oder recycelt werden.

Recycling und Müllvermeidung bei greenality

Auch viele der Marken, die man bei greenality finden kann, sind sich ihrer ökologischen Verantwortung als Modelabel bewusst. Sie setzten sich mit Alternativen Herstellungs- und Materialgewinnungsprozessen auseinander und machen den ersten Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft.

So auch die Marke Pinqponq, die ganz nach dem Motto „From Bottle to Backpack“ ressourcenschonend auf PET-Recycling setzt. Das Wiederverwerten eingesammelter PET-Flaschen ermöglicht es, Plastikmüll zu reduzieren, Ressourcen einzusparen und auf fossile Rohstoffe verzichten zu können.

Auch wir als Unternehmen versuchen unsere Lieferprozesse angelehnt an das C2C Prinzip zu optimieren. So nutzen wir Versandkartons, die uns als Retouren ins Lager zurückgeschickt werden – fast wie in einem Kreislauf – immer und immer wieder. Sobald diese nicht mehr nutzbar sind, werden sie ordnungsgemäß entsorgt und durch das Altpapierrecycling zu neu brauchbarem Material.

Ein lückenloses Konzept?

Die Idee hinter Cradle to Cradle scheint die Lösung unseres Konsum-Dilemmas zu sein. Über die Umsetzbarkeit wird jedoch noch heiß diskutiert. Denn um das C2C-Prinzip komplett umsetzen zu können, wäre ein neues Wirtschaftssystem nötig, das langfristiges Planen zur Voraussetzung hat. 

Es gibt bereits konkrete Beispiele, die zeigen, dass es in Einzelfällen funktionieren kann. Doch auch wenn bereits einige Marken Cradle to Cradle Produkte in ihrem Sortiment anbieten, liegt die Umstellung aller Produkte immer noch weit entfernt. 

Wie das Prinzip in Zukunft in unsere Wirtschaft eingebunden werden kann, wird sich mit der Zeit zeigen. Sicher ist, dass es Unternehmen dazu anregt, sich mit einem nachhaltigen Produktdesign und Materialkreislauf zu beschäftigen. Somit erweist sich das Konzept als eine vielversprechende Unterstützung, unsere Umwelt nachhaltiger zu gestalten.

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